Deutsch (DE-CH-AT)Slovensko (Slovenija)

PostHeaderIcon Milka Hartman

Innere Stärke als Auftrag an IHR Volk


Milka HartmanMilka  Hartman 1902 - 1997 (1902 - 1997), auch liebevoll Dichterin vom Loibacher Feld genannt, hinterließ dem slowenischen Volk ein reiches geistiges Erbe. Sie hat als Kärntner Slowenin zeitlebens mit viel Fleiß, Geschick, Einfühlungsvermögen aber auch mit konsequenter politischer Arbeit das Slowenentum in Kärnten geprägt und die slowenische Sprache gefördert. Sie hat ihre Gefühle, Beobachtungen und Forderungen niedergeschrieben.
Vom Glück der ersten großen Liebe, den schrecklichen Erfahrungen des 2. Weltkrieges, den Reflexionen über die  politische Entwicklung Kärntens, der Muttersprache bis hin zu den Überlegungen über ihr geistiges Vermächtnis an IHR Volk.
Von Beruf war sie Hauswirtschaftslehrerin und gab jungen slowenischen Mädchen die Möglichkeit im Rahmen von Hauswirtschaftskursen, Bildung in ihrer Muttersprache zu bekommen und dadurch einen wesentlichen Beitrag zum Bestehen der slowenischen Sprache in Kärnten zu leisten.
Milka Hartman kämpfte mit Worten für Gerechtigkeit. Sie betonte aber auch, dass in den eigenen Reihen starke Wurzeln mit einem angebrachten Maß an Selbstbewußtsein, Stolz und Selbstlosigkeit den Vorfahren und deren Muttersprache gegenüber die Voraussetzung für eine positive Enwicklung der slowenischen Volksgruppe sind. Auch ihren Heimatort Loibach/Libuče prägte sie auf kultureller und politischer Ebene und trug mit ihrer vielfältigen Arbeit maßgeblich zu seiner Identitätsbildung bei. Es gelang ihr, die Menschen zu motivieren, diese Identität über Generationen hinweg zu erhalten und zu fördern, womit sie einen wichtigen Beitrag für Gegenwart und Zukunft leistete.
Hartmans Gedichte wurden in zahlreichen Gedichtbänden veröffentlicht. Chöre singen ihre Lieder, ihre kurzen Theaterstücke erleben eine Renaissance. Übersetzungen ihrer Gedichte ins Deutsche erscheinen, sodass auch die deutschsprachige Bevölkerung ihre Texte lesen und die kärntner Identität besser verstehen kann.
Milka Hartman schrieb ihr Leben nieder. Ein Leben, das vielen Biographien der Kärntner Slowenen ähnelt. Sie war Slowenin aus tiefster Überzeugung – selbstlos und ehrlich. Sie nahm sich als Person immer zurück, stellte die Belange der slowenischen Volksgruppe in Kärnten in den Vordergrund und arbeitete hart dafür. Die Muttersprache war ihr eine Herzensangelegenheit, sie war ihr Auftrag an das Leben! Würde sie die heutige unwürdige   politische Entwicklung und Einstellung des offiziellen Kärnten der slowenischen Volksgruppe gegenüber miterleben müssen, würde sie sie nicht verstehen. – Sie würde daran zerbrechen!


Ein Textbeispiel:


In der Verbannung
(Milka Hartman)

Wo die Petzen ihre Schatten
haucht ins warme Ährenfeld,
Hügel die Slowenen schützen,
Kirch mit Ihnen Zwiesprach hält;
dort stand meine gute Wiege,
wo mich Arbeit, Lied umgab;
dort ist meine teure, liebe
Heimat, die der Himmel gab.

Ach, mein heimatliches Loibach,
ach, du mütterliche Flur!
Bei dir nehm im Geist ich Zuflucht,
zu dir eilen die Wünsche nur:
ins Haus, ins einzige, geliebte,
das der Feind gestohlen hat,
der ins Fremde uns, ins Fremde
fortzukarren befohlen hat.

Aus dem Vaterhaus am Bache,
das uns allen Wärme gab …
Mutter stirbt uns hin vor Weinen,
Vater musste ins ferne Grab.
Brüder, Schwestern für ihr Tagwerk
noch verlacht, verspottet sind …
Wer übt dafür heilige Rache,
wer bestraft des Fremden Sünd?

Donnre, donnre, graue Petzen,
öffne deinen Felsenschlund!
Viel zu lang schon schläft das Heer des
Kralj Matjaž auf deinem Grund …
Heb das Schwert, entzünd das Feuer,
gib uns Freiheit, gib Courage!
Rette uns in Gottes Namen
vor dem Fremden – Kralj Matjaž!

In der Verbannung/V pregnanstvu. In: Hartman, M.: Der Frost verspinnt die Beete mir mit feinen Netzen. Aus dem Slowenischen von Erwin Köstler und Andrej Leben. Drava 2007, S. 16 – 17.


Über die Dichterin - Kurzfassung


  • 11.02.1902: Milka Hartman wird in Loibach geboren.

  • 1908-1914: Sie besuchte die utraquistische Schule in Loibach.

  • 1916: Entstand das erste erhaltene Gedicht Zakaj bi jaz ne pela?

  • 1924/25: Sie absolvierte eine zehnmonatige Ausbildung zur Hauswirtschaftslehrerin bei den Schulschwestern in Ljubljana.

  • 1927: Erste Hauswirtschaftskurse in Kärnten in slowenischer Sprache.

  • 1934: Gedichtband: Dekliške pesmi

  • 1939: St. Jakob ob der Gurk – Sie war Haushälterin beim Priester Tomaž Holmar. Dadurch blieb sie im 2. Weltkrieg von der Aussiedelung der Kärntner Slowenen in Arbeits- und Konzentrationslager verschont.

  • 1942: Die Familie Hartmann wurde ausgesiedelt.

  • 1943: Im Lager Eichstätt erkrankte der Vater Matej schwer und starb kurz darauf.

  • 1952: Gedichtband: Moje grede

  • 1956: Der letzte Kochkurs wurde abgehalten.

  • 1972: Gedichtband: Lipov cvet

  • 1977: Gedichtband im loibacher Dialekt: Pesmi z libuškega puela

  • 1982: Die Trilogie Milka Hartman I, II, III wurde herausgegeben.

  • 1983: Der Ehrentitel Professor wurde ihr vom Bundespräsidenten dr. Rudolf Kirchschläger verliehen.

  • 1987: Der Gedichtband Gedichte aus Kärnten erschien.

  • 1992: Der Gedichtband in slowenischer und englischer Sprache Midsummer night – Kresna noč erschien.

  • 1994: Beschluss der Stadtgemeinde Bleiburg über den »Prof. Milka Hartman Platz« in Loibach/Libuče.

  • 1997: Ehrenbürgerschaft der Stadtgemeinde Bleiburg

  • 09.06.1997: Endete der Lebensweg Milka Hartmans

Link Wikipedia


Aktualisiert (Montag, den 19. April 2010 um 20:32 Uhr)